| Eine Chance für den Dschungel - Ecuador will in einem Urwaldgebiet auf Erdöl-Förderung verzichten |
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| Donnerstag, 8. Mai 2008 | |
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Von Gerhard Dilger (epd)
Quito (epd). Ein undurchdringliches, wildes Paradies, in dem die letzten isolierten Ureinwohner Ecuadors leben - das ist der östliche Teil des Yasuní-Nationalparks im Regenwald von Ecuador. Auf der Fläche eines Fußballfeldes wachsen hier mehr Baumarten als in ganz Nordamerika. Hier lagern aber auch die größten Ölvorkommen des südamerikanischen 13-Millionen Landes: Fast eine Milliarde Barrel, also um die 150 Milliarden Liter. Wird das Schwarze Gold gefördert, ist es vorbei mit den Urwaldvölkern, aber auch mit der Artenvielfalt - das haben andere Fälle in den vergangenen 40 Jahren dramatisch gezeigt. Deswegen hat Ecuadors Regierung im vergangenen Jahr einen innovativen Vorschlag präsentiert: Sie ist bereit, auf die Ölförderung zu verzichten - wenn die internationale Gemeinschaft im Gegenzug für die Hälfte der erwarteten Einnahmen aufkommt. Das Geld, 350 Millionen Dollar pro Jahr, soll in einen international verwalteten Kapitalfonds fließen, aus dem Ecuador Sozial- und Umweltprogramme finanzieren könnte. "Von der internationalen Gemeinschaft fordern wir keine Barmherzigkeit, sondern Mitverantwortung", sagt der linke Präsident Rafael Correa. Das Projekt wäre auch ein Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel. Denn Wälder binden den Klima-Killer Kohlendioxid. Aber für dieses Engagement gegen die Erderwärmung müsse sein Land entschädigt werden, denn die Emissionen würden vor allem durch die Länder des Nordens verursacht, meint der Präsident. Alberto Acosta, Ökonom wie sein Freund Correa, sagt: "Wenn wir zusammen mit der internationalen Gemeinschaft das Projekt auf die Beine stellen könnten, wäre das ein Einstieg ins Post-Erdöl-Zeitalter." Als Energieminister überzeugte Acosta den Präsidenten von dem Vorschlag, den Umweltgruppen entwickelt hatten. Als Vorsitzender des Verfassungskonvents setzte er soeben durch, dass im neuen Grundgesetz die Rechte der Natur festgeschrieben werden - ein weltweites Novum. Zum Projekt, das Öl in dem Dschungelgebiet nicht zu fördern, sagt Acosta: "Für die Welt wäre es ein gutes Geschäft: Sie bekommt keine Kohlendioxid-Emissionen, sondern Sauerstoff aus dem Regenwald, den Schutz der Artenvielfalt und der indigenen Völker." Als Bevollmächtigter des Präsidenten wirbt jetzt der frühere Außenminister Francisco Carrión für die Idee. Auf seiner letzten Europareise sei er auf großes Interesse gestoßen, berichtet Carrión. Doch der "revolutionäre Vorschlag" sei noch im Anfangsstadium, räumt er ein. Spanien hat vier Millionen Euro für eine Machbarkeitstudie bereitgestellt. Ansonsten gibt es noch nicht ausreichend finanzielle Zusagen. Bis Oktober - der Frist, die ihm der Präsident gesetzt hat - möchte Carrión die Initiative soweit gefestigt haben, "dass klar wird, es lohnt sich, weiterzumachen." Auf der Bonner UN-Konferenz über biologische Vielfalt (19. bis 31. Mai) will die Gruppe "Oilwatch", die zusammen mit den ecuadorianischen Organisation "Acción Ecológica" das Yasuní-Projekt ersonnen hat, ihr Konzept "Naturschutz statt Ölförderung" vorstellen. In seinem Büro in Quito sagt der Belgier Piet Boedt von "Oilwatch": "Es ist eine neue Vision, eine Alternative zu Modellen, die sich nicht von der Markt- und Wachstumslogik freimachen können." Ähnliche Vorschläge wie für Ecuador hat das Netzwerk auch für Bolivien, Osttimor, Indonesien, Mauretanien und Nigeria entwickelt. |
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